Logik des Fragens: Zur Reglementierung des interrogativen Vollzugs

Das Erkenntnisgeschehen als Ganzes kann als das Beantworten von Fragen gedeutet werden. Dabei führen gegebene Antworten auf neue Fragen. Das Erkennen insgesamt, also das auf Fortsetzung gestellte Aufwerfen und Beantworten von Fragen, ist wie alle Vollzüge in vielfacher Weise störungsanfällig. Die Philosophie der Erkenntnis zielt darauf, das Erkennen zu stützen, indem sie vorliegende Störungen behebt, drohenden Störungen vorbeugt und gelingende Vollzüge festigt und verbessert. Zwischen der Antwort- und der Frageseite besteht bezüglich der investierten Aufmerksamkeit eine augenfällige Asymmetrie: Die erstgenannte ist in weiten Teilen gut untersucht, die zweitgenannte wird bislang vernachlässigt. Das Vorhaben zielt darauf, an der Behebung des angezeigten Missstands mitzuwirken. Dabei wird auf eine in ihren Grundlinien wohlbestimmte und in einigen Feldern begrifflich durchgearbeitete konstruktiv-pragmatische Auffassung des Erkennens zurückgegriffen. Das Stellen von Fragen wird als Redehandeln (genauer: kognitives Redehandeln) aufgefasst, für das Regelwerke zu entwickeln sind. Damit Hand in Hand ist die verfügbare erkenntnisphilosophische Begrifflichkeit so zu erweitern, dass das Feld des Fragens verlässlich thematisiert werden kann.

Im Rahmen dieses Projekts nimmt Dr. Moritz Cordes die fragelogischen Bemühungen der letzten Jahrzehnte im Bereich der Inferential Erotetic Logic (IEL) und der Inquisitive Semantics konstruktiv auf. Insbesondere die Konsequenzschaftsrelationen der IEL (Evokation und erotetische Implikation, sowie grundlegende Konsequenzschaftsrelationen mit multiplen Konklusionen) werden kritisch untersucht mit Blick auf ihre Entscheidbarkeit, ihre Anbindung an Frage- und Antwortpraktiken und ihre erkenntnistheoretische Relevanz. Konkret steht die Frage im Raum: Unter welchen Regulierungen des Fragens und Antwortens ergeben sich welche Konsequenzschaftsverhältnisse zwischen welchen interrogativen und nicht-interrogativen Redehandlungen (bzw. deren Spuren).

Das Projekt wird aus Landesmitteln des Kurt-von-Fritz/THEORIA-Programms finanziert.